Wachstumsmarkt Infrastruktur Asien

Globale Herausforderung Infrastruktur

Der Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur gehören weltweit zu den größten gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Nicht zuletzt finanziell. Das Beratungsunternehmen McKinsey schätzt, dass bis 2030 bis zu USD 60 Billionen erforderlich sein werden, um die globale Infrastruktur auf ein zeitgemäßes Niveau zu bringen.* Folgerichtig steigt das Interesse von Investoren an diesem Sektor kontinuierlich an. Leistungsfähige Verkehrswege, eine nachhaltige Energieerzeugung und -verteilung und eine gesicherte Wasserversorgung gelten gemeinhin als die wichtigsten und kapitalintensivsten Zielsegmente.

Mit der Aufgabe, diesen immensen Investitionsbedarf zu finanzieren, sind die staatlichen Institutionen der meisten Nationen aufgrund der zumeist angespannten Haushaltslage überfordert. Die Weltbank schätzt, dass gerade die aufstrebenden Schwellenländer pro Jahr 8% ihres Bruttosozialprodukts* ausgeben müssten, um die bestehende Infrastruktur instand zu halten und mit zusätzlichen Infrastrukturmaßnahmen dem hohen Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum gerecht zu werden. Aus Budgetgründen verharren jedoch die meisten Länder bei deutlich niedrigeren Investitionsquoten, mit dem Ergebnis, dass die Infrastruktur mit der Wirtschaftsdynamik nicht mehr Schritt halten kann.

Kapitalbedarf trifft auf Wunsch nach stabilen, planbaren Erträgen

Weltweit haben die Regierungen diese Diskrepanz erkannt und forcieren daher die Einbindung privater Kapitalgeber, häufig im Rahmen von Public Private Partnerships (PPP). Angesichts der aktuellen Situation auf den internationalen Kapitalmärkten – niedrige Zinsen, hohe Staatsverschuldungen, schwelende politische Konflikte – treffen diese Intentionen bei Investoren auf ein großes Interesse. Denn Infrastrukturinvestments versprechen stabile, planbare, mit anderen Assetklassen wenig bis nicht korrelierende Erträge bei kalkulierbarem Risiko und erfüllen damit wesentliche Anforderungen großer Kapitalsammelstellen wie Versicherungen, Pensionskassen und Stiftungen. Damit wird der Stellenwert der Finanzierung von Infrastrukturvorhaben durch private und institutionelle Anleger weiter ansteigen.

Verschiebung der globalen Kraftzentren

Besonders in Asien, das sich längst zum globalen Kraftzentrum entwickelt hat, wird aufgrund des stetigen Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums die Notwendigkeit eines Ausbaus der Infrastruktur deutlich greifbar. Schon heute wird die Hälfte des Weltbruttosozialprodukts in Asien erwirtschaftet. Finden sich heute mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien noch drei europäische Länder unter den zehn wirtschaftlich leistungsfähigsten Staaten, wird sich 2050 nur noch Deutschland in diesem Ranking wiederfinden. Dafür werden sich Länder wie Indien und Indonesien bereits unter den Top 4 etabliert haben.*

Asiens weitere Entwicklung wird jedoch in starkem Maße davon bestimmt werden, wie gut der Umstieg von einer exportgetriebenen zu einer durch Binnennachfrage getragenen Wirtschaft gelingt. Als Voraussetzung dafür gilt eine noch stärkere Verankerung der asiatischen Wirtschaftsdynamik in der breiten Bevölkerung und eine damit verbundene Steigerung des privaten Konsums. Hierfür ist jedoch eine Infrastruktur erforderlich, die mit der wirtschaftlichen Dynamik Schritt hält und auch die Regionen abseits der asiatischen Metropolen am fortwährenden Wachstum beteiligt.

Hoher Nach­hol­­bedarf bei Infrastruktur­investitionen

Insbesondere zahlreiche Volkswirtschaften Südostasiens, in denen das dynamische Wirtschaftswachstum kaum zu bremsen zu sein scheint, stehen vor weitreichenden strukturellen Herausforderungen. Eine Studie des Beratungsunternehmens McKinsey weist aus, dass die Infrastruktur in den meisten Ländern Asiens trotz der günstigen wirtschaftlichen Entwicklung unterentwickelt ist. Die Stromerzeugung in Indien liege wegen ungenügender Investitionen um bis zu 20% unter dem Bedarf in Spitzenzeiten. In Indonesien wurden die Infrastrukturinvestitionen von rund 6% des Bruttoinlandsprodukts in den 1990er-Jahren auf nur noch 3% in den vergangenen zehn Jahren reduziert. Dies hatte eine Verschlechterung in Bereichen wie Energieversorgung, Transport, Wohnungsbau, Kommunikation und Wasserversorgung und ein um drei bis vier Prozentpunkte verringertes Wirtschaftswachstum zur Folge.*

Hierbei wird deutlich, dass die Anstrengungen intensiviert werden müssen, Rückstände aufzuholen und eine Infrastruktur modernen Industriestandards zu etablieren. Insbesondere diejenigen Regionen, die jahrzehntelang infrastrukturell nicht weiterentwickelt wurden, müssen stärker von Aufschwung und Prosperität profitieren. Die vielen Regionen, die notorisch unter Stromunterversorgung leiden, müssen mit verlässlicher Energie versorgt werden. Häfen, Airports sowie Verkehrswege zu Land und zu Wasser müssen den neuen, wachstumsbedingten Erfordernissen angepasst oder neu gebaut werden. Und auch Telekommunikationsnetze müssen modernisiert und ausgebaut werden, um heute übliche Kommunikationswege national wie international zu ermöglichen.

Megatrend der Urbanisierung ist Treiber für Infrastruktur

Außerdem macht speziell in Asien die Urbanisierung hohe Investitionen in die Infrastruktur erforderlich. Im Jahr 2020 werden Schätzungen zufolge im asiatisch-pazifischen Raum rund 50 Prozent der Bevölkerung in Städten leben. Das sind rund 500 Millionen Menschen mehr als noch 2013.* China hat diese Entwicklung bereits in den letzten zehn Jahren vollzogen. Von 2003 stieg der Anteil der Stadtbevölkerung von rund 40 Prozent auf heute über 54 Prozent an.* Die großen Agglomerationszentren, die so an die Grenzen ihrer infrastrukturellen Belastbarkeit stoßen, bedürfen großer Investitionen in den öffentlichen Transport, in Ver- und Entsorgungseinrichtungen und in den Wohnungsbau.

McKinsey schätzt den Investitionsbedarf in die asiatische Infrastruktur allein in dieser Dekade auf rund USD 8 Billionen, die Asian Development Bank rechnet mit USD 750 Mrd. pro Jahr bis 2020.*

Traditionelle Geldgeber überfordert, ausländische Investoren willkommen

Bislang wurden Infrastrukturprojekte auch in Asien durch den Staat oder inländische, oft staatlich gelenkte Banken finanziert. Doch dieses Finanzierungsmodell kann nicht Schritt halten mit der aktuellen und der für die kommenden Jahre prognostizierten Entwicklung. Angesichts erheblicher Haushaltsdefizite sind viele Länder hier überfordert und suchen nach alternativen Finanzierungslösungen bei der Umsetzung ihrer Infrastrukturprojekte.

Daher haben die politischen Entscheider die Türen für private Investoren weit geöffnet. Regulatorische Beschränkungen oder bisherige Investitionshürden wurden grundlegend reformiert und oft vollständig gestrichen, dagegen sogar attraktive Investitionsanreize und Vergünstigungen für ausländische Investoren geschaffen. Insbesondere Public Private Partnerships (PPP), aber auch Direktinvestitionen ausländischer Kapitalgeber sind Modelle, die in den kommenden Jahren vermehrt in den Vordergrund rücken werden.


Asiens erneuerbare Energiezukunft

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Wichtiger Anstoss durch Asian Infrastructure Investment Bank

Jüngstes und beeindruckendes Beispiel für den Paradigmenwechsel in Asien ist die Gründung der Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) unter Federführung Chinas im Sommer 2015, deren einzige Aufgabe es ist, Kapital für Infrastrukturinvestitionen in Asien zu akquirieren.

Die Beteiligung von insgesamt 57 Staaten, darunter alle führenden Wirtschaftsnationen Europas und ein Großteil der asiatischen Länder, gilt dabei als deutliches Signal für die schwindende Bedeutung der USA als zentrale Wirtschaftsmacht und als klarer Vertrauensbeweis dieser Staaten in die wirtschaftliche und politische Stabilität der Region und die Bedeutung des Infrastrukturmarktes in Asien.

Die AIIB kann den entscheidenden Anstoß dafür geben, Asiens Infrastruktur auf breiter Ebene auf das Niveau westlicher Staaten zu heben und Folgeinvestitionen durch private Investoren zu initiieren. Der Ausbau von Straßen, Schienennetzen, Häfen, Kraftwerken, Stromtrassen und Telekommunikationsnetzwerken würde eine neue Wachstumsdynamik in Asien nach sich ziehen, von der auch der Rest der Welt – und nicht zuletzt in Asien engagierte Investoren – profitieren.

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